Umwelt, Klimaschutz, Wirtschaft

Nachhaltigen Innovationsgeist fördern

Bild: (c) Marcel Mayer

Es geht: Ressoucenwende und gleichzeitiger sozialer Wohlstand.

Die Sozialdemokraten arbeiten an dem Wirtschaftskapitel ihres Wahlprogrammes. Erste Einblicke dazu zeigen, dass die soziale und nachhaltige Funktion, die das Wirtschaften in Vorarlberg erfüllen soll, im Zentrum steht.

Für Parteichef Martin Staudinger gehören gezielt solche Investitionen gefördert, die zur Weiterentwicklung von nachhaltigem Wirtschaften führen. Damit grenzt er sich klar von einer Wirtschaftspolitik ab, die hauptsächlich blockiert und verzögert. Staudinger:

„Vorarlberger Innovationsgeist hat schon oft zu weltweiter Weltmarktführerschaft geführt. Nutzen wir diesen Spirit, um der Welt nachhaltige Produkte und Industrieprozesse zu bringen!“

Sozial ist, was nachhaltig ist

Politische Entscheidungen bei Betriebsansiedelungen, Flächenbedarf für Industrieproduktion und bei Förderungen sollen daher immer erst darauf abgeklopft werden, ob sie nachhaltig sind. „Die Zeiten des ressourcenverzehrenden Wachstums sind vorbei. Geschäftsmodelle, die unserer Natur nur Flächen wegnehmen, Müll produzieren und das Klima schädigen sollen der Vergangenheit angehören. Wir müssen den Fokus auf nachhaltiges Wachstum legen, das durch neue Produkte, Produktionsstoffe und Produktionsprozesse punktet und gleichzeitig den Grundstein für weitere Weltmarktführerschaft Vorarlberger Unternehmen legt“, erklärt Staudinger.

Beispiele nachhaltig-innovativer Unternehmen

Dazu nennt Staudinger einige Beispiele. ALPLA etwa, ein Weltunternehmen bekannt für Kunststoffverpackungen, will seine Innovationen in eine nachhaltige Richtung lenken. „Das geht über das Recycling von Kunststoffen und deren Wieder-Einsatz für neue Kunststoffflaschen weit hinaus. Das Unternehmen plant, eine vollständig biobasierte und recyclingfähige Papierflasche herzustellen. Dies wäre eine sehr entscheidende Revolution am Verpackungssektor mit weltweiten positiven Auswirkungen“, zeigt sich der SPÖ-Chef begeistert.

Das Unternehmen Planet Pure aus Hörbranz wiederum produziert das erste biozertifizierte Waschmittel und ist das führende Unternehmen für Biowasch- und Bioreinigungsmittel. Als soziale Komponente beschäftigt Planet Pure 10 Personen von der Lebenshilfe und ist damit auch ein inklusionsfreundlicher Betrieb. Und 95% des Verpackungsmaterials werden aus Recycling- oder Bioplastik hergestellt.

Innovationen in der Bau-Branche

Staudinger gibt zu bedenken, dass die Baubranche für 40% des Ressourcenverbrauchs und 60% aller Transportbewegungen verantwortlich ist. Umso wichtiger sei es, möglichst wenig Ressourcen für den Bau von Gebäuden zu verwenden, diese Ressourcen möglichst regional zu gewinnen und so zu verbauen, dass möglichst viel der Materialien nach dem Lebensende des Gebäudes wiederverwendet werden können. Als positives Beispiel nennt er hierfür Rhomberg Bau. Das Unternehmen senkt die Transportwege für Baumaterial durch den Einsatz heimischer Ressourcen aus dem Steinbruch Unterklien. „Das muss uns lieber sein als lange, verkehrsbildende und klimaschädliche Transportwege mit Baumaterial aus dem Ausland. Viele Möglichkeiten entstehen auch durch das modulare Holzbaukonzept, das sogar 100 Meter hohe Hochhäuser mit 30 Stockwerken aus Holz ermöglicht. Das ist ein gutes Beispiel für das Zusammenspiel aus innovativer Wirtschaft und Nachhaltigkeit: Das verhaute Holz ist eine nachwachsende Ressource, die zudem C02 bindet.“

Wir brauchen ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum in Vorarlberg

„Wir wollen aktive Industriepolitik betreiben und Produktion und Innovation in Vorarlberg halten“, sagt Martin Staudinger. „Wir brauchen daher eine Offensive zur Re-Innovierung in vielen Branchen, weil Wachstum nur ein nachhaltiges Wachstum sein kann.“ Dazu schlägt er eine gezielte Förderung von Zukunftsindustrien im Sinne einer nachhaltigen Ressourcennutzung und eine Green-Jobs-Initiative vor.

„Wirtschaftswachstum als Grundlage unseres Wohlstandes und unserer Arbeitsplätze führt zunehmend zu Bodenknappheit, Rohstoffknappheit, Umweltverschmutzung, Widmungskonflikten und einer Veränderung dessen, was Vorarlberg so typisch und so lebenswert macht. Daher muss künftiges Wirtschaftswachstum ein mehr qualitatives statt mehr quantitatives sein“,

erklärt der Sozialdemokrat. Der Weg zu mehr Ökologie und Nachhaltigkeit sei jedoch keiner, der sich allein daran erschöpfen könne, Unternehmen zu bestrafen, Dinge zu verbieten, und allein den Konsumenten zu anderem Konsum zu verpflichten.

Auch die Verzögerung von Infrastrukturprojekten bringe am Ende nichts, außer viele Jahre von Verkehrstaus und Abgasen, verlorene Stunden im Auto, zu wenig Raum für Wohnen, Leben und Wirtschaften. „Entscheidungen müssen rascher getroffen werden. Wenn Projekte mit den Zielen der Ressourcen-Schonung übereinstimmen und die Bürger eingebunden wurden, sollen sie rasch umgesetzt werden. Denn ein Problem stehen zu lassen macht es nur größer.“

Start-Ups und digitales Wachstum

Gefördert werden sollen laut Staudinger auch Vorarlberg-StartUps, die sich mit sozialer Innovation beschäftigen und somit soziale und gesellschaftliche Aufgaben mit neuen Ideen in einer kompakten wirtschaftlichen Struktur lösen. Dies kann auch innovative Impulse auf den gesamten Sozialsektor haben. Sehr wichtig ist dabei auch digitales Wachstum. Nach Ansicht von Staudinger schafft es neue, hoch qualitative und anspruchsvolle Arbeitsplätze – und dazu noch solche, die im Hinblick auf Produktionsmittel kaum Ressourcenverbrauch haben. „Ein digitales Wachstum ist zukunftsorientiert, bringt Wohlstand und schont unsere Natur“, so Staudinger.